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Was Stärkenorientierung im Unternehmen wirklich bedeutet.
Erinnert ihr euch an die Szene, in der Leo in der Küche seines Elternhauses steht? Bereit für den Neuanfang in Berlin, doch sein Vater Rudi versucht, ihn aufzuhalten.
Was wie ein familiärer Konflikt wirkt, zeigt eine tiefere Wahrheit: zwei völlig verschiedene Haltungen im Umgang mit Entscheidungen, Risiken und Potenzial. Diese Unterschiede prägen nicht nur Familien, sondern auch Unternehmen.
Heute sehen wir uns an, warum Potenzialdenken wirkungsvoller ist als ständiger Fehlerfokus – und welche Impulse modernes Leadership daraus ziehen kann.
Leo hatte den Koffer gepackt, die Haustür geschlossen. Berlin. Startup. Neues Umfeld. Neue Menschen. Sein Entschluss stand. Das Gespräch mit seinem Vater Rudi war kurz und spannungsgeladen. Für Rudi, der Tradition und Sicherheit über alles stellte, war Leos Plan unverständlich: „Ein Startup? In Berlin? Das ist doch keine Zukunft!“
Leo hielt stand: „Das hier ist nicht meine Welt.“ Gespräch beendet. Er verließ die Küche, ließ seinen Vater mit Kaffee und Sorgen zurück.
Mutter Gabi, stille Zeugin, stapelte Teller. „Das ist ein Fehler“, meinte Rudi. „Oder einfach seine Entscheidung“, erwiderte sie. Rudi sah nur Unsicherheit, Leistungsdruck, Großstadt. Gabi hingegen erinnerte ihn: „Du übersiehst seine Stärken.“
Leo kann gut mit Menschen umgehen, Verantwortung übernehmen – manchmal zu viel. Genau das machte Rudi Angst: „Was, wenn ihm alles auf den Kopf fällt?“
Doch wer Stärken sehen will, darf nicht nur auf Fehler schauen.
„Es geht nicht darum, ob er scheitert“, sagte Gabi. „Sondern welche Eigenschaften ihm helfen: Empathie, Engagement, Teamgefühl – und Mut.“
Mut ließ Rudi verstummen. Denn Mut kann man nicht verhindern, nur bremsen. Gabi wusste: Das Problem war nicht Berlin, sondern Rudis Angst vor einer Entscheidung außerhalb seiner Denkweise.
„Ja, Leo gibt manchmal zu viel. Aber wenn er das nie erlebt, lernt er’s nie. Und wir sind ja da.“
Rudi suchte weiter nach Argumenten. Gabi blieb ruhig: „Fehler passieren sowieso. Die Frage ist, ob wir ihm zutrauen, daraus zu lernen.“
Sie erinnerte an Tochter Anna: Top-Job, viel Verantwortung, keine Grenzen. Ihre Stärke – unermüdlicher Einsatz – wurde zur Achillesferse. Ohne Selbstregulierung läuft sie wie ein Motor im höchsten Gang, kurz vor dem Überhitzen.
„Du möchtest, dass Leo seine Talente voll entfaltet. Nur wenn er seine Grenzen selber lernt und erkennt, kann er seine Stärken voll ausleben.“
Rudi nickte nachdenklich. Die Vorstellung, Leo könnte ebenso ausbrennen, beunruhigte ihn.
„Du willst ihn schützen“, sagte Gabi. „Aber nicht, indem du ihn klein hältst.“
Wenn wir an Stärken glauben, müssen wir sie leben lassen und begleiten – nicht blockieren. Es gibt kein Patentrezept. Entscheidungen bringen Konsequenzen, aus Fehlern lernen wir. Nur wer ausprobiert, findet heraus, was wirklich passt.
Diese Dynamik gilt auch für Leadership: Mitarbeitende brauchen Raum zur Entfaltung. Sehen Sie über kleine Fehler hinweg und konzentrieren Sie sich auf ihr Potenzial.
Es geht nicht darum, Fehler zu vermeiden.
Es geht darum, mit Stärken zu arbeiten – auch mit ihren Schattenseiten.
Am nächsten Morgen schrieb Rudi seinem Sohn:
„Meld dich, wenn du angekommen bist. Wir sind für dich da.“
Und genau hier wird es spannend: Im nächsten Blogartikel geht es darum, was echte Stärken ausmacht, warum ihre Schattenseiten wertvoll sind – und wie wir sie gezielt ins Leadership integrieren können.
Neugierig? Sie sollten es sein.
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Wenn Sicherheit plötzlich etwas anderes bedeutet.
Leo hat sich entschieden. Gegen die Bank. Gegen den Langzeitvertrag. Gegen eine sichere Karriere in einem etablierten Unternehmen. Stattdessen: Startup, Berlin, Remote-Job. Ausprobieren statt Absichern.
Was am Küchentisch der Familie Schwarz beginnt, zieht weite Kreise – hinein in die Arbeitswelt, hinein in die Chefetagen. Denn was zwischen Leo und Rudolf passiert, erleben heute viele Führungskräfte im Alltag: zwischen Babyboomern und der Generation Z. Täglich. Überall.
Aber was steckt wirklich hinter diesen Spannungen? Und wie kann man damit umgehen? Wir werfen einen genaueren Blick auf das Miteinander (und Gegeneinander) der Generationen im Arbeitsalltag.
Hier geht’s zum ersten Teil der Geschichte – und zu den Wurzeln des Generationenkonflikts.
Sicherheit war früher ein Ziel – heute ist sie oft eine Illusion
Rudolf hat sein Leben lang gearbeitet, um Sicherheit zu schaffen. Er steht für das klassische Bild eines loyalen, verantwortungsvollen Arbeitnehmers. Einer, der bleibt. Der sich hocharbeitet. Für den Besitz – vom Eigenheim bis zur Betriebspension – Freiheit bedeutete.
Leo dagegen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Sicherheit nicht mehr automatisch mit einem festen Arbeitsplatz verbunden ist. Für ihn bedeutet Sicherheit, beweglich zu bleiben – Optionen zu haben. Ein stabiles Netzwerk gibt ihm mehr Halt als ein unbefristeter Vertrag. Eigentum ist kein Ziel mehr, sondern oft ein unerreichbarer Luxus. Die Prioritäten haben sich verschoben: weniger Absicherung, mehr Gestaltungsspielraum im Hier und Jetzt.
Diese Sichtweise sorgt für Reibung. Rudolf sieht in Leos Entscheidung Unsicherheit. Leo sieht darin längst Normalität – nicht als Bedrohung, sondern als Startpunkt für Flexibilität.
„Wenn die Welt unsicher ist, lebt man auch so“
Rudolf kennt dieses Gefühl. In seiner Jugend gab es keine großen Entscheidungsspielräume. Fragen wie „Was will ich eigentlich?“ oder „Wo liegt mein Sinn?“ – sie kamen nicht vor. Kaum im arbeitsfähigen Alter, musste man Geld verdienen. Auszeit? Undenkbar. Die Realität war: anpacken, Verantwortung übernehmen – so früh wie möglich. Träume waren etwas für später.
Er gehörte zur sogenannten Arbeitergeneration – geprägt von Fleiß, Pflicht und dem Wunsch, ein stabiles Leben aufzubauen.
Leo lebt heute genau dieses bessere Leben. Und Rudolf muss lernen, es nicht als Vorwurf zu sehen – sondern als Ergebnis seines eigenen Einsatzes. Ein Wohlstand, den er mitgeschaffen hat.
Arbeit als Lebensmodell vs. Arbeit als Lebensinhalt
Für Rudolf ist Arbeit Fundament, Pflicht und Leistung. Das Leben wird um den Beruf herum gebaut. Loyalität ist selbstverständlich.
Leo sieht Arbeit als Teil eines Ganzen. Sie soll sinnvoll sein, Raum lassen fürs Leben. Der Job muss zum Leben passen, nicht umgekehrt. Es geht nicht ums Wo, sondern ums Warum.
„Ich arbeite eh genug. Ich will halt leben, bevor ich alt bin“, sagt Leo im ersten Blogartikel. Und spricht damit vielen aus der Seele. Diese Haltung ist nicht undankbar – sie ist eine Konsequenz. Aus veränderten Voraussetzungen, neuen Möglichkeiten und einem anderen Blick auf das, was zählt.
Führung: Von der Manege zur Moderation
Nicht umsonst steckt in „Manager“ die Manege – mit der Dressur. Das klassische Führungsmodell war klar: Oben wird gedacht, unten wird gemacht. Druck erzeugt Leistung. Das funktionierte lange. Heute nicht mehr. Druck führt zu Flucht. Gerade Jüngere steigen aus, bevor sie im Burnout landen. Sie suchen Sinn – nicht den goldenen Käfig.
Führung heißt heute: Räume öffnen. Für Sichtweisen, Bedürfnisse, Stärken. Führungskräfte sind Brückenbauer:innen zwischen Generationen und Werten. Keine einfache Rolle – aber eine entscheidende.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Zuhören wird zur Führungsdisziplin
Wer Loyalität nicht mehr voraussetzen kann, muss verstehen, was Menschen hält – und motiviert. Die Antwort beginnt beim Zuhören. Nicht erst im Exitgespräch, sondern davor. Die gelebte Kultur entsteht nicht zufällig, sondern durch Haltung.
Motivation braucht Individualisierung
Was früher der Dienstwagen war, ist heute oft Flexibilität, Entwicklung, Sinn. Es gibt nicht die eine Währung, die für alle gilt. Wer motivieren will, muss Menschen sehen – als Individuen.
Kultur ist kein Onboarding-PDF
Kultur zeigt sich im Alltag: Wie begrüßen wir neue Mitarbeitende? Wer wird gehört? Wer fühlt sich gesehen? Wer führen will, muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen. Denn: „So haben wir das immer gemacht“ ist keine Strategie – sondern ein Denkfehler.
Zwischen den Zeilen liegt die Wahrheit
In meiner Arbeit mit Unternehmen nehme ich mir zu Beginn oft Zeit für persönliche Gespräche – nicht nur mit Führungskräften, sondern mit Mitarbeitenden quer durchs Haus. Warum? Weil sich zwischen den Zeilen oft mehr zeigt als in jeder Umfrage.
Wird Kultur negativ erlebt, spüren das nicht nur die Mitarbeitenden – sondern auch deren Umfeld. Empfehlungen sinken. Gespräche über den Arbeitgeber werden spärlicher oder negativer. Bewerbungen bleiben aus.
Eine positiv erlebte Kultur zeigt sich anders: Mitarbeitende werden zu Botschafter:innen. Sie reden gerne über ihren Job. Sie empfehlen weiter – und das wirkt. Auf Bindung, Bewerberzahlen, das Miteinander.
Warum externe Perspektiven helfen
Viele Unternehmen tun sich schwer, solche Prozesse allein zu steuern. Verständlich. Interne HR-Teams sind Teil des Systems, nicht neutral. In stressigen Zeiten greifen Muster, Abwehrmechanismen entstehen. Externe Begleitung kann helfen: Als neutrale Dritte bringen wir Klarheit, ohne Vorgeschichte – und mit einem frischen Blick.
Fazit: Brücken statt Mauern
Die Geschichte von Leo und Rudolf steht für vieles, was heute in Unternehmen passiert: Unterschiedliche Generationen treffen aufeinander. Mit anderen Werten, Biografien, Erwartungen. Das sorgt für Spannungen – aber auch für Chancen.
Denn wo Vielfalt ist, entsteht Neues. Der Generationenkonflikt bleibt. Aber wir können lernen, ihn nicht als Kampf zu führen – sondern als Dialog. Einen Austausch, der manchmal unbequem, aber fast immer bereichernd ist.
Generation Langzeitvertrag trifft Generation Sabbatical
Wenn Leo ins Startup will – und Papa Rudolf ausflippt.
Ein Generationskonflikt bei Familie Schwarz
Es war einer dieser Sonntage bei Familie Schwarz: Der Frühstückstisch bog sich unter dampfendem Kaffee, frischen Semmeln und Gabis berühmten pochierten Eiern – das Fundament des familiären Friedens. Geschichten wurden ausgetauscht, gelacht, diskutiert. Bis die Stimmung – wie so oft – kippte.
Rudolf, das Familienoberhaupt, legte seine Zeitung zusammen, schob die Lesebrille hoch auf die Stirn und sagte mit sorgenvoller Stimme:
„Also, was da draußen gerade abgeht – Krieg, Inflation, Umweltkatastrophen … Da kannst du dich doch auf nichts mehr verlassen.“
Leo, sein Sohn, scrollte weiter durch Mountainbike-Zubehör am Handy. Niemand reagierte. Nicht aus Ignoranz – sondern aus Erfahrung. Alle wussten: Wenn Rudolf einmal loslegte, war es nur eine Frage der Zeit, bis es krachte.
Ein paar Minuten vergingen. Dann durchbrach Leo beiläufig das Schweigen, während er in seinem Salat stocherte:
„Übrigens – ich hab mich entschieden.“
„Aha“, murmelte Rudolf, ohne aufzublicken. „Für den Job bei der Bank?“
Leo sah kurz auf. „Nein. Ich geh zum Startup. In Berlin. Die suchen wen fürs Backend. Remote. Coole Projekte.“
Stille.
Max hob eine Augenbraue. Gabi reichte kommentarlos den Brotkorb weiter. Anna vertiefte sich auffällig intensiv in ihr Handy.
Nur Rudolf blickte seinen Sohn lange an.
„Leo“, begann er mit merklich angezogener Stimme. „Und was kommt danach – Surfen in Bali? Das ist doch kein Job. Was machst du, wenn die in sechs Monaten dichtmachen?“
„Dann mach ich halt was anderes“, zuckte Leo die Schultern. „Ich will mich ausprobieren.“
„Das ist doch naiv!“, platzte es aus Rudolf heraus. „Ihr lebt, als wär alles ein Spiel! Keine Verantwortung, keine Sorgen – so funktioniert das Leben nicht!“
Für ihn war die Absage ein Schlag ins Gesicht. Wochenlang hatte er telefoniert, Kontakte genutzt, seinem Sohn ein solides Jobangebot bei einem langjährigen Partner ermöglicht. Ein sicherer Arbeitsplatz mit Perspektive. Ordentliche Bezahlung. Und – für Rudolf das höchste Gut – Zukunftssicherheit.
Jetzt das: Ein Startup. Vage Zukunft. Weltreise. Arbeiten von überall aus. Für Rudolf grenzt das an Realitätsverweigerung.
Leo lehnte sich zurück.
„Na und? Ich arbeite eh genug. Ich will halt leben, bevor ich alt bin. Besitz ist mir nicht so wichtig. Ich will mich nicht festlegen.“
Die Stimmung war gekippt.
Rudolf fühlte sich – wieder einmal – nicht verstanden. Für ihn war Sicherheit kein Zustand, sondern etwas, das man sich erarbeitet. Mit Disziplin. Mit Verantwortung. Er war in einer Zeit groß geworden, in der man Pläne machte, um Krisen zu überleben – nicht um sich selbst zu verwirklichen.
Was für Rudolf Bedrohung war, war für Leo Alltag.
Seine Generation ist aufgewachsen inmitten permanenter Weltuntergangsmeldungen. Social Media-Feeds voller Krisen. Die Angst ist da – aber sie lähmt nicht, sie stumpft ab. Entscheidungen trifft Leo nicht aus Sorge, sondern aus Neugier. Aus dem Wunsch heraus, das eigene Leben aktiv zu gestalten. Sinnhaft. Selbstbestimmt. Jetzt.
Zwischen den Welten
Gabi, Rudolfs Frau und Leos Mutter, saß derweil zwischen den beiden. Ihr Blick wanderte von einem zum anderen. Sie kannte beide Perspektiven. Fühlte mit. Mehr, als sie sagte.
„Rudolf“, sagte sie leise, aber klar, „wenn einem ständig vermittelt wird, dass die Welt unsicher ist, dann lebt man auch so. Aber Leo ist anders aufgewachsen. Sein Blick ist nicht falsch. Vielleicht sogar richtig. Für jetzt.“
Sie war oft die Brücke. Vielleicht, dachte sie, fiel es Rudolf auch deshalb so schwer: Weil er sich selbst früher mehr Freiheit gewünscht hätte. Sich ausprobieren. Fehler machen dürfen. Damals war das keine Option. Heute nimmt Leo sich genau das – auf dem Fundament eines Wohlstands, den Rudolf mit aufgebaut hat.
Leo trank sein Wasserglas leer, sichtlich genervt. Rudolf starrte aus dem Fenster, dann sagte er – ungewohnt leise: „Ich will doch nur, dass du’s mal leichter hast als ich.“
„Und ich will, dass du siehst, dass ich meinen eigenen Weg finde“, antwortete Leo.
Zwei Welten – ein Tisch
Rudolf ist Babyboomer. Arbeit bedeutete für ihn: Sicherheit. Struktur. Verantwortung. Man blieb, wo man war – möglichst lange. Man trug, sorgte, hielt aus. Dass Leo nun einen von ihm organisierten „Top-Job“ ausschlägt, fühlt sich für ihn an wie Undankbarkeit.
Doch Leo ist nicht trotzig. Er ist Teil einer anderen Generation. Generation Z.
Für ihn zählt nicht nur, was man tut – sondern wie. Er will gestalten, wachsen, einen Unterschied machen. Nicht irgendwann. Jetzt.
So sitzen sie da – Vater und Sohn.
Zwei Generationen, zwei Weltbilder.
Zwischen Sicherheit und Sinn.
Zwischen Verantwortung und Freiheit.
Und genau das erleben wir in Unternehmen jeden Tag.
Teams, die miteinander arbeiten – aber einander oft nicht verstehen.
Führungsbilder, Erwartungen, Werte – alles im Wandel.
Im nächsten Blogbeitrag zeige ich, wie wir diese Gräben überbrücken können:
Welche Missverständnisse typischerweise entstehen, wie sich Führungsverständnisse verändert haben – und was das für die Arbeitswelt von heute und morgen bedeutet.
