Wenn Sicherheit plötzlich etwas anderes bedeutet.

Leo hat sich entschieden. Gegen die Bank. Gegen den Langzeitvertrag. Gegen eine sichere Karriere in einem etablierten Unternehmen. Stattdessen: Startup, Berlin, Remote-Job. Ausprobieren statt Absichern.

Was am Küchentisch der Familie Schwarz beginnt, zieht weite Kreise – hinein in die Arbeitswelt, hinein in die Chefetagen. Denn was zwischen Leo und Rudolf passiert, erleben heute viele Führungskräfte im Alltag: zwischen Babyboomern und der Generation Z. Täglich. Überall.

Aber was steckt wirklich hinter diesen Spannungen? Und wie kann man damit umgehen? Wir werfen einen genaueren Blick auf das Miteinander (und Gegeneinander) der Generationen im Arbeitsalltag.

Hier geht’s zum ersten Teil der Geschichte – und zu den Wurzeln des Generationenkonflikts.

Sicherheit war früher ein Ziel – heute ist sie oft eine Illusion

Rudolf hat sein Leben lang gearbeitet, um Sicherheit zu schaffen. Er steht für das klassische Bild eines loyalen, verantwortungsvollen Arbeitnehmers. Einer, der bleibt. Der sich hocharbeitet. Für den Besitz – vom Eigenheim bis zur Betriebspension – Freiheit bedeutete.

Leo dagegen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Sicherheit nicht mehr automatisch mit einem festen Arbeitsplatz verbunden ist. Für ihn bedeutet Sicherheit, beweglich zu bleiben – Optionen zu haben. Ein stabiles Netzwerk gibt ihm mehr Halt als ein unbefristeter Vertrag. Eigentum ist kein Ziel mehr, sondern oft ein unerreichbarer Luxus. Die Prioritäten haben sich verschoben: weniger Absicherung, mehr Gestaltungsspielraum im Hier und Jetzt.

Diese Sichtweise sorgt für Reibung. Rudolf sieht in Leos Entscheidung Unsicherheit. Leo sieht darin längst Normalität – nicht als Bedrohung, sondern als Startpunkt für Flexibilität.

„Wenn die Welt unsicher ist, lebt man auch so“

Rudolf kennt dieses Gefühl. In seiner Jugend gab es keine großen Entscheidungsspielräume. Fragen wie „Was will ich eigentlich?“ oder „Wo liegt mein Sinn?“ – sie kamen nicht vor. Kaum im arbeitsfähigen Alter, musste man Geld verdienen. Auszeit? Undenkbar. Die Realität war: anpacken, Verantwortung übernehmen – so früh wie möglich. Träume waren etwas für später.

Er gehörte zur sogenannten Arbeitergeneration – geprägt von Fleiß, Pflicht und dem Wunsch, ein stabiles Leben aufzubauen.

Leo lebt heute genau dieses bessere Leben. Und Rudolf muss lernen, es nicht als Vorwurf zu sehen – sondern als Ergebnis seines eigenen Einsatzes. Ein Wohlstand, den er mitgeschaffen hat.

Arbeit als Lebensmodell vs. Arbeit als Lebensinhalt

Für Rudolf ist Arbeit Fundament, Pflicht und Leistung. Das Leben wird um den Beruf herum gebaut. Loyalität ist selbstverständlich.

Leo sieht Arbeit als Teil eines Ganzen. Sie soll sinnvoll sein, Raum lassen fürs Leben. Der Job muss zum Leben passen, nicht umgekehrt. Es geht nicht ums Wo, sondern ums Warum.

„Ich arbeite eh genug. Ich will halt leben, bevor ich alt bin“, sagt Leo im ersten Blogartikel. Und spricht damit vielen aus der Seele. Diese Haltung ist nicht undankbar – sie ist eine Konsequenz. Aus veränderten Voraussetzungen, neuen Möglichkeiten und einem anderen Blick auf das, was zählt.

Führung: Von der Manege zur Moderation

Nicht umsonst steckt in „Manager“ die Manege – mit der Dressur. Das klassische Führungsmodell war klar: Oben wird gedacht, unten wird gemacht. Druck erzeugt Leistung. Das funktionierte lange. Heute nicht mehr. Druck führt zu Flucht. Gerade Jüngere steigen aus, bevor sie im Burnout landen. Sie suchen Sinn – nicht den goldenen Käfig.

Führung heißt heute: Räume öffnen. Für Sichtweisen, Bedürfnisse, Stärken. Führungskräfte sind Brückenbauer:innen zwischen Generationen und Werten. Keine einfache Rolle – aber eine entscheidende.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Zuhören wird zur Führungsdisziplin
Wer Loyalität nicht mehr voraussetzen kann, muss verstehen, was Menschen hält – und motiviert. Die Antwort beginnt beim Zuhören. Nicht erst im Exitgespräch, sondern davor. Die gelebte Kultur entsteht nicht zufällig, sondern durch Haltung.

Motivation braucht Individualisierung
Was früher der Dienstwagen war, ist heute oft Flexibilität, Entwicklung, Sinn. Es gibt nicht die eine Währung, die für alle gilt. Wer motivieren will, muss Menschen sehen – als Individuen.

Kultur ist kein Onboarding-PDF
Kultur zeigt sich im Alltag: Wie begrüßen wir neue Mitarbeitende? Wer wird gehört? Wer fühlt sich gesehen? Wer führen will, muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen. Denn: „So haben wir das immer gemacht“ ist keine Strategie – sondern ein Denkfehler.

Zwischen den Zeilen liegt die Wahrheit

In meiner Arbeit mit Unternehmen nehme ich mir zu Beginn oft Zeit für persönliche Gespräche – nicht nur mit Führungskräften, sondern mit Mitarbeitenden quer durchs Haus. Warum? Weil sich zwischen den Zeilen oft mehr zeigt als in jeder Umfrage.

Wird Kultur negativ erlebt, spüren das nicht nur die Mitarbeitenden – sondern auch deren Umfeld. Empfehlungen sinken. Gespräche über den Arbeitgeber werden spärlicher oder negativer. Bewerbungen bleiben aus.

Eine positiv erlebte Kultur zeigt sich anders: Mitarbeitende werden zu Botschafter:innen. Sie reden gerne über ihren Job. Sie empfehlen weiter – und das wirkt. Auf Bindung, Bewerberzahlen, das Miteinander.

Warum externe Perspektiven helfen

Viele Unternehmen tun sich schwer, solche Prozesse allein zu steuern. Verständlich. Interne HR-Teams sind Teil des Systems, nicht neutral. In stressigen Zeiten greifen Muster, Abwehrmechanismen entstehen. Externe Begleitung kann helfen: Als neutrale Dritte bringen wir Klarheit, ohne Vorgeschichte – und mit einem frischen Blick.

Fazit: Brücken statt Mauern

Die Geschichte von Leo und Rudolf steht für vieles, was heute in Unternehmen passiert: Unterschiedliche Generationen treffen aufeinander. Mit anderen Werten, Biografien, Erwartungen. Das sorgt für Spannungen – aber auch für Chancen.

Denn wo Vielfalt ist, entsteht Neues. Der Generationenkonflikt bleibt. Aber wir können lernen, ihn nicht als Kampf zu führen – sondern als Dialog. Einen Austausch, der manchmal unbequem, aber fast immer bereichernd ist.

Generation Langzeitvertrag trifft Generation Sabbatical

Wenn Leo ins Startup will – und Papa Rudolf ausflippt.

Ein Generationskonflikt bei Familie Schwarz

Es war einer dieser Sonntage bei Familie Schwarz: Der Frühstückstisch bog sich unter dampfendem Kaffee, frischen Semmeln und Gabis berühmten pochierten Eiern – das Fundament des familiären Friedens. Geschichten wurden ausgetauscht, gelacht, diskutiert. Bis die Stimmung – wie so oft – kippte.

Rudolf, das Familienoberhaupt, legte seine Zeitung zusammen, schob die Lesebrille hoch auf die Stirn und sagte mit sorgenvoller Stimme:
„Also, was da draußen gerade abgeht – Krieg, Inflation, Umweltkatastrophen … Da kannst du dich doch auf nichts mehr verlassen.“

Leo, sein Sohn, scrollte weiter durch Mountainbike-Zubehör am Handy. Niemand reagierte. Nicht aus Ignoranz – sondern aus Erfahrung. Alle wussten: Wenn Rudolf einmal loslegte, war es nur eine Frage der Zeit, bis es krachte.

Ein paar Minuten vergingen. Dann durchbrach Leo beiläufig das Schweigen, während er in seinem Salat stocherte:
„Übrigens – ich hab mich entschieden.“

„Aha“, murmelte Rudolf, ohne aufzublicken. „Für den Job bei der Bank?“

Leo sah kurz auf. „Nein. Ich geh zum Startup. In Berlin. Die suchen wen fürs Backend. Remote. Coole Projekte.“

Stille.
Max hob eine Augenbraue. Gabi reichte kommentarlos den Brotkorb weiter. Anna vertiefte sich auffällig intensiv in ihr Handy.
Nur Rudolf blickte seinen Sohn lange an.

„Leo“, begann er mit merklich angezogener Stimme. „Und was kommt danach – Surfen in Bali? Das ist doch kein Job. Was machst du, wenn die in sechs Monaten dichtmachen?“

„Dann mach ich halt was anderes“, zuckte Leo die Schultern. „Ich will mich ausprobieren.“

„Das ist doch naiv!“, platzte es aus Rudolf heraus. „Ihr lebt, als wär alles ein Spiel! Keine Verantwortung, keine Sorgen – so funktioniert das Leben nicht!“

Für ihn war die Absage ein Schlag ins Gesicht. Wochenlang hatte er telefoniert, Kontakte genutzt, seinem Sohn ein solides Jobangebot bei einem langjährigen Partner ermöglicht. Ein sicherer Arbeitsplatz mit Perspektive. Ordentliche Bezahlung. Und – für Rudolf das höchste Gut – Zukunftssicherheit.

Jetzt das: Ein Startup. Vage Zukunft. Weltreise. Arbeiten von überall aus. Für Rudolf grenzt das an Realitätsverweigerung.

Leo lehnte sich zurück.
„Na und? Ich arbeite eh genug. Ich will halt leben, bevor ich alt bin. Besitz ist mir nicht so wichtig. Ich will mich nicht festlegen.“

Die Stimmung war gekippt.
Rudolf fühlte sich – wieder einmal – nicht verstanden. Für ihn war Sicherheit kein Zustand, sondern etwas, das man sich erarbeitet. Mit Disziplin. Mit Verantwortung. Er war in einer Zeit groß geworden, in der man Pläne machte, um Krisen zu überleben – nicht um sich selbst zu verwirklichen.

Was für Rudolf Bedrohung war, war für Leo Alltag.
Seine Generation ist aufgewachsen inmitten permanenter Weltuntergangsmeldungen. Social Media-Feeds voller Krisen. Die Angst ist da – aber sie lähmt nicht, sie stumpft ab. Entscheidungen trifft Leo nicht aus Sorge, sondern aus Neugier. Aus dem Wunsch heraus, das eigene Leben aktiv zu gestalten. Sinnhaft. Selbstbestimmt. Jetzt.

Zwischen den Welten

Gabi, Rudolfs Frau und Leos Mutter, saß derweil zwischen den beiden. Ihr Blick wanderte von einem zum anderen. Sie kannte beide Perspektiven. Fühlte mit. Mehr, als sie sagte.

„Rudolf“, sagte sie leise, aber klar, „wenn einem ständig vermittelt wird, dass die Welt unsicher ist, dann lebt man auch so. Aber Leo ist anders aufgewachsen. Sein Blick ist nicht falsch. Vielleicht sogar richtig. Für jetzt.“

Sie war oft die Brücke. Vielleicht, dachte sie, fiel es Rudolf auch deshalb so schwer: Weil er sich selbst früher mehr Freiheit gewünscht hätte. Sich ausprobieren. Fehler machen dürfen. Damals war das keine Option. Heute nimmt Leo sich genau das – auf dem Fundament eines Wohlstands, den Rudolf mit aufgebaut hat.

Leo trank sein Wasserglas leer, sichtlich genervt. Rudolf starrte aus dem Fenster, dann sagte er – ungewohnt leise: „Ich will doch nur, dass du’s mal leichter hast als ich.“

„Und ich will, dass du siehst, dass ich meinen eigenen Weg finde“, antwortete Leo.

Zwei Welten – ein Tisch

Rudolf ist Babyboomer. Arbeit bedeutete für ihn: Sicherheit. Struktur. Verantwortung. Man blieb, wo man war – möglichst lange. Man trug, sorgte, hielt aus. Dass Leo nun einen von ihm organisierten „Top-Job“ ausschlägt, fühlt sich für ihn an wie Undankbarkeit.

Doch Leo ist nicht trotzig. Er ist Teil einer anderen Generation. Generation Z.
Für ihn zählt nicht nur, was man tut – sondern wie. Er will gestalten, wachsen, einen Unterschied machen. Nicht irgendwann. Jetzt.

So sitzen sie da – Vater und Sohn.
Zwei Generationen, zwei Weltbilder.
Zwischen Sicherheit und Sinn.
Zwischen Verantwortung und Freiheit.

Und genau das erleben wir in Unternehmen jeden Tag.

Teams, die miteinander arbeiten – aber einander oft nicht verstehen.
Führungsbilder, Erwartungen, Werte – alles im Wandel.

Im nächsten Blogbeitrag zeige ich, wie wir diese Gräben überbrücken können:
Welche Missverständnisse typischerweise entstehen, wie sich Führungsverständnisse verändert haben – und was das für die Arbeitswelt von heute und morgen bedeutet.

Warum wir in Unternehmen dringend lernen müssen, Bedürfnisse zu erkennen (und was das mit unserer Amygdala zu tun hat)

Wenn du denkst, dass eine gute Führung in Unternehmen mit noch mehr Vorgaben, Kontrolle und Druck funktioniert, dann muss ich dich enttäuschen. Aus meiner täglichen Arbeit mit Führungskräften weiß ich: Dieser Ansatz gehört ins Museum – am besten gleich neben die Schreibmaschine und das Wählscheibentelefon.

Was Unternehmen und ihre Fühungskräfte heute wirklich brauchen, ist die Fähigkeit, die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter:innen wahrzunehmen. Und bevor du jetzt abwinkst und denkst, dafür bräuchte es hochtrabende Management-Workshops oder sündhaft teure Coachings – nein. Die gute Nachricht ist: Diese Fähigkeit steckt bereits in uns. Jeder von uns hat sie. Wir haben sie nur ein bisschen verlernt.

Viele Unternehmen sind heute noch stark hierarchisch organisiert – und das ist auch kein Drama. Im Gegenteil: Diese Form der hierarchischen Führung war über Jahrzehnte ein echtes Erfolgsmodell. Man darf also ruhig anerkennen, dass Hierarchie einmal seinen guten Zweck erfüllt hat. Nur: Was früher auf Druck und klaren Ansagen aufgebaut war, stößt heute zunehmend an seine Grenzen. Denn Druck funktioniert nicht mehr – zumindest nicht nachhaltig.

Ein kleiner Blick auf die Wortherkunft verrät übrigens schon einiges: „Manager“ enthält das Wort „Manege“ – und in der Manege geht’s um Dressur. Da wird sanft oder weniger sanft gelenkt und gesteuert. Genau diese Art von Führung – die klassische „Dressur“ – verliert jedoch heute ihre Wirkung. Die Führungskräfte der Zukunft brauchen ein neues Werkzeug: Bedürfnisorientierung.

Und damit meine ich nicht, dass wir unsere Mitarbeiter:innen künftig mit Samthandschuhen anfassen müssen. Aber wer motivieren, begeistern und gemeinsam Ziele erreichen will, muss verstehen, was Menschen antreibt.

Deshalb schauen wir bei unserer Arbeit genau dorthin: auf die Bedürfnisse hinter dem Verhalten. Auf die Währungen, die jedem Menschen wichtig sind. Und genau da liegt der Schlüssel für echte Begeisterung und nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Die vergessene Superkraft: Wahrnehmung

Unsere Amygdala – dieser kleine, unscheinbare Teil im Gehirn – hat uns früher das Leben gerettet. Sie ist der Filter für unsere Erfahrungen und hat Gefahren erkannt, bevor sie überhaupt richtig sichtbar waren. Diese feine Antenne für Stimmungen, Schwingungen und Bedürfnisse anderer haben wir alle. Wir alle sind von Natur aus kleine „Profiler“.

Nur heute sind wir so beschäftigt damit, auf unsere Handys zu starren, Social Media zu checken oder den eigenen Tagesplan zu optimieren, dass wir verlernt haben, diese Antennen bewusst zu nutzen. Dabei spüren wir sie immer noch: Dieses feine Gefühl, wenn du einen Raum betrittst und sofort merkst, ob dicke Luft herrscht oder gute Stimmung.

Bedürfnisorientierung kostet nichts – außer Aufmerksamkeit

Das Schöne ist: Bedürfnisse erkennen kostet kein Geld. Kein Zertifikat. Keine fünf Tage Teambuilding auf einer Almhütte. Es braucht nur eines: echtes Interesse am Menschen. Die Fähigkeit, den Fokus einmal weg von sich selbst und hin zum Gegenüber zu lenken.

In meinen Seminaren arbeite ich genau damit. Oft reicht eine simple Übung: Zuhören. Aktiv. Ohne dabei heimlich die nächste Antwort zu planen oder aufs Handy zu schielen. Hinhören, Hinsehen, Hinspüren.

Warum das in Unternehmen den Unterschied macht.

Was passiert, wenn wir anfangen, Bedürfnisse zu erkennen? Ganz einfach: Wir schaffen Beziehungen. Und Beziehungen sind das Rückgrat jeder erfolgreichen Organisation. Ohne echte Beziehungen wird kein Ziel erreicht, keine Innovation geboren und kein Team zusammenwachsen.

Und ja, dafür müssen wir manchmal den inneren Autopiloten ausschalten. Raus aus dem Überlebensmodus. Raus aus der Jagd nach Likes und schnellen Erfolgen. Wieder rein ins echte Miteinander.
Ein letzter Gedanke…

Ich sage in meinen Workshops: Wir haben alles, was wir brauchen, schon in uns. Es geht nicht darum, neue Tricks zu lernen. Es geht darum, alte Fähigkeiten wieder freizulegen. Die Fähigkeit, Menschen zu sehen. Nicht als Ressource, nicht als Kostenstelle, sondern als Partner am Weg zum gemeinsamen Erfolg.

Ganz sicher liegt genau darin die Zukunft guter Führung.

„Das hab ich so nicht gemeint!“ – Wie Wahrnehmung Konflikte beeinflusst

Am Esstisch der Familie Schwarz kann es schon mal heiß hergehen. Besonders, wenn Onkel Max und Rudolf, das Familienoberhaupt, anwesend sind. Max ist der erfolgreiche Unternehmer – immer in Bewegung, risikofreudig und ungeduldig gegenüber langen Diskussionen. Rudolf hingegen ist sein Gegenpol: nachdenklich, werteorientiert und jemand, der Themen tiefgründig durchdringen will.

Eines Abends entbrennt zwischen den beiden eine hitzige Diskussion. Rudolf, der gerade die Nachrichten gelesen hat, ist empört über die jüngsten Entwicklungen in der US-Politik.

„Das ist eine Katastrophe! Die Welt steuert auf eine Krise zu!“, ruft er.
Onkel Max winkt ab.
„Ach, komm schon, Rudolf. Du siehst immer nur das Negative! Das könnte auch eine wirtschaftliche Chance sein.“

Die Stimmung kippt. Während Rudolf und Max lautstark aneinandergeraten, flüchten sich die übrigen Familienmitglieder stillschweigend in ihre Lasagne – so konzentriert, als könnten sich zwischen Pasta, Hackfleisch und Béchamelsauce Goldstücke verstecken.

„Hmm, diese Lasagne!“, murmeln sie übertrieben interessiert, nur um nicht zwischen die Fronten zu geraten.

Rudolf fühlt sich nicht ernst genommen – seine Überzeugungen werden abgewertet. Max hingegen ärgert sich über das, was er als Panikmache empfindet. Was hier passiert, ist ein Paradebeispiel für Kommunikation auf unterschiedlichen Ebenen: Zwei Menschen sprechen, doch sie verstehen einander nicht.

Warum reden wir oft aneinander vorbei?

Bevor wir der Frage auf den Grund gehen, warum solche Missverständnisse entstehen, lohnt sich ein Blick zurück: Was bedeutet Wahrnehmung eigentlich?

Wahrnehmung ist weder objektiv noch neutral – und sie entwickelt sich auch nicht erst im Erwachsenenalter. Bereits im ersten Lebensjahr werden unsere Wahrnehmungsmuster geprägt. Diese bleiben uns ein Leben lang erhalten.

Verhaltensforschung und das Prozess Communication Model zeigen: Menschen nehmen ihre Umwelt sehr unterschiedlich wahr. Diese Unterschiede basieren auf inneren psychologischen Bedürfnissen und auf der Art, wie wir Erlebnisse abspeichern und interpretieren. Ob wir eher faktenorientiert, emotional, pragmatisch, wertegeleitet oder reflektierend reagieren – all das prägt auch unseren Kommunikationsstil.

Gerade unter Stress wird das besonders sichtbar: Wir kommunizieren dann nicht mehr sachlich, sondern aus unseren inneren Mustern heraus – oft unbewusst.

PCM: Sechs Wahrnehmungsarten, sechs Kommunikationsstile

Der Psychologe Taibi Kahler, Begründer des Prozess Communication Model, hat sechs typische Wahrnehmungs- und Kommunikationsstile beschrieben:

Die sechs Wahrnehmungsarten im PCM sind:

  • Denken: Wahrnehmung über Zahlen, Daten, Fakten, Logik und Analysen („Ich denke …“)
  • Meinungen: Wahrnehmung über Werte, Überzeugungen, Standpunkte („Ich bin der Meinung …“)
  • Gefühle: Wahrnehmung über Empfindungen, Beziehungen, Emotionen („Ich fühle …“)
  • Reaktionen: Wahrnehmung über spontane Vorlieben, Abneigungen, Impulse, Spaß („Gefällt mir!“, „Mag ich nicht!“) 
  • Reflexionen/Inaktion: Wahrnehmung über Vorstellungen, innere Bilder, Reflexion, Innehalten („Ich stelle mir vor …“)
  • Aktion: Wahrnehmung über Handeln, Tun, unmittelbares Umsetzen („Ich mache …“)

Erkennst du die Familie Schwarz?
Rudolf bewegt sich stark in der Wahrnehmungsart „Meinung“ – wertegeleitet, tiefgründig, überzeugt. Max hingegen verkörpert klar die Wahrnehmungsart „Aktion“ – schnell, pragmatisch, lösungsorientiert.

Wenn also Rudolf (Meinung) und Max (Aktion) aufeinandertreffen, sprechen sie bildlich gesprochen auf zwei völlig unterschiedlichen Frequenzen – wie bei einem Funkgerät mit unterschiedlichen Kanaleinstellung. Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Stress als Verstärker von Misskommunikation

Unter Druck neigen wir dazu, in unseren bevorzugten Kommunikationsstil zurückzufallen – und zwar oft übertrieben stark.
Max, der Macher, wird ungeduldig, wenn ihm jemand mit langen Analysen kommt.
Rudolf, der Werteorientierte, wird noch ausdauernder in seiner Argumentation, um sich abzusichern.

Die Folge: Die Fronten verhärten sich. Es geht nicht mehr um Inhalte – sondern um verletzte Bedürfnisse.

Wie wir Misskommunikation vermeiden können

Hier sind fünf praxiserprobte Strategien, um solche Konflikte im Arbeitsalltag zu entschärfen:

1. Aktiv zuhören
Zuhören ohne sofort zu bewerten oder zu unterbrechen. Statt „Das ist doch Blödsinn!“ könnte Max sagen:

„Interessant, warum denkst du das?“
Das signalisiert Respekt und Offenheit.

2. Kommunikationsstil erkennen und anpassen

Frage dich: Wie kommuniziert mein Gegenüber?

– Faktenmensch? → Zahlen, Daten liefern.
– Werteorientiert? → Überzeugungen anerkennen.
– Gefühlsbetont? → Empathisch reagieren.
PCM nennt das „Andocken auf der richtigen Frequenz“.

3. Klarheit schaffen

Formuliere Erwartungen eindeutig.

„Ich brauche bis morgen eine Zusammenfassung“
ist klarer als
„Kannst du da mal drüberschauen?“

4. Konflikte als Entwicklungschance sehen

Konflikte sind nicht per se schlecht. Sie bieten Raum für Klärung und Entwicklung. Einer muss den ersten Schritt machen.

Max könnte sagen:

„Es ist nicht meine Absicht, deine Sicht abzuwerten. Ich bin interessiert, wie du das siehst.“
Rudolf könnte fragen:
„Was wäre aus deiner Sicht eine gute Lösung?“
So entsteht Dialog auf Augenhöhe.

5. Eigene Triggerpunkte erkennen

Jeder hat „rote Knöpfe“, die ihn im Streit reizen. Wer sie kennt, kann bewusster reagieren.

Max könnte sich fragen:

„Warum regt mich das so auf?“
Rudolf könnte erkennen:
„Ich brauche Anerkennung für meine Überzeugung – wie kann ich sie einfordern, ohne zu belehren?“

Fazit: Hinter jedem Streit stehen Bedürfnisse

Es geht selten nur ums Sachthema – sondern fast immer um unerfüllte psychologische Bedürfnisse.
Im Fall von Max und Rudolf:
Rudolf sehnt sich nach Anerkennung seiner Werte.
Max will für sein Handeln und seine Lösungsorientierung gesehen werden.

Wer seine eigenen Muster kennt, kann Konflikte früher entschärfen – und Kommunikation gelassener gestalten.

——

Frage an dich:

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und notiere deine Gedanken:
→ Welche „rote Knöpfe“ hast du selbst?
→ Welche Wahrnehmungsart passt auf dich?

Ob im Journal, am Laptop oder auf Papier – es lohnt sich!

Im letzten Blogartikel haben wir die vielfältigen Charaktere einer Familien- und Unternehmenskultur genauer unter die Lupe genommen. Falls du eine Auffrischung brauchst, oder nochmal die Details nachlesen möchtest, findest du hier die beiden Teile zum Nachlesen.


Und jetzt stell dir vor, du sitzt mit ein paar Kolleg:innen in einem Feedback-Gespräch. Euer HR-Manager, stellt die Frage:

„Wie würdet ihr eure Unternehmenskultur beschreiben – und vor allem: Was könnt ihr dazu beitragen?“

Hand aufs Herz: Mit hoher Wahrscheinlichkeit glaubst du jetzt vielleicht, dass sich nur deine Führungskraft oder die Chefetage mit solchen unternehmensinternen Fragen herumschlagen sollten. Ich sage aber: Das Thema Unternehmenskultur ist weitaus vielschichtiger, als du jetzt vielleicht denkst.

Was bedeutet Kultur in einem Unternehmen? Oder: Warum eben nicht jeder Deckel auf jeden Topf passt.

Ich selbst komme ursprünglich aus dem Kulturmanagement. Da ging’s natürlich viel um Musik, Theater, Speaker und Speakerinnen – aber auch um Menschen, die ihren ganz individuellen Blick aufs Leben vermitteln. Diese Künstler:innen eröffnen uns Perspektiven, die wir von allein vielleicht nie sehen würden. Und genau das ist für mich auch in Unternehmen spannend: Jeder Mensch bringt seinen Blickwinkel mit, jeder hat seinen ganz eigenen Stil – und gemeinsam entsteht (oder eben auch nicht) so etwas wie Unternehmenskultur.

Von meinem früheren Beruf ins Heute übersetzt bedeutet das: In Firmen stehen zwar keine Sänger:innen auf der Bühne, aber sie handeln, sprechen und arbeiten nach ganz bestimmten Regeln, Werten oder liebgewonnenen Ritualen. Man könnte auch sagen: Es ist wie eine „Fanbase“, die sich von anderen unterscheidet. So wie die Fans von Andreas Gabalier sich stark von “Swifties” (Fangemeinde von Taylor Swift) unterscheiden, so einzigartig ist auch jede Unternehmenskultur. Die Leute drücken sich ähnlich aus, sie haben vielleicht gemeinsame Denkweisen, verhalten sich in einer bestimmten Weise, gestalten individuell ihre Beziehung untereinander, folgen gewissen Gewohnheiten und so weiter. Das alles prägt diese ganz spezielle Gruppenkultur.

Nehmen wir jetzt nochmal das Beispiel mit Familie Schwarz her.

Was möchte ich damit sagen…

Jeder dieser Charaktere hat Stärken und Schwächen. Jeder prägt die Familienkultur mit – ob er will oder nicht. Anna treibt an („Los, wir müssen was schaffen!“), Gabi kümmert sich darum, dass es allen auf dem Weg gut geht, pflegt den Zusammenhalt („Wir müssen uns alle wohlfühlen!“), Lisa schüttelt die verrückten Ideen aus dem Ärmel („Sonst ist das hier langweilig!“) usw. Das Ergebnis: Entweder man geht ein Stück weit auf die andere Person zu und erkennt die Verschiedenheit und unterschiedlichen Verhalten und Bedürfnisse an, oder es kommt zum Konflikt.

Jeder einzelne trägt zu einer guten oder auch schlechten Kultur bei.

Und genauso so läuft’s auch in Unternehmen.

Aber was ist jetzt eine “gute” oder “schlechte” Kultur?

Wenn ich in ein neues Unternehmen komme, schaue ich mir erst mal an, wie die Menschen miteinander umgehen:

  • Wie sprechen die Menschen miteinander? (formell/informell, respektvoll/direkt)
  • Wie läuft die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden? (top-down, partizipativ, offen oder zurückhaltend?)
  • Wie wird Feedback gegeben und angenommen?
  • Wie wird mit Fehlern umgegangen?
  • Wie wird über das Unternehmen gesprochen? (stolz, kritisch, gleichgültig)

Man kann nicht sagen, dass die eine Kultur automatisch besser ist als die andere. Die Frage ist nur: Was tut uns gut und was schadet uns? Diese Frage muss jeder für sich stellen. Und die Antwort findet sich spätestens dann, wenn es plötzlich nicht mehr funktioniert. Sei es, weil alle gestresst sind, weil Informationen nicht fließen oder der Ton rauer wird. Dann merkt man: „Hoppla, da geht was ab!“ oder eben „Da fehlt was!“

In Seminargruppen mache ich zu Beginn gern folgendes Experiment: Zwei Leute interviewen sich gegenseitig und stellen dann den jeweils anderen vor. Die Trefferquote, mit der sie sich am Ende gegenseitig beschreiben, ist verblüffend hoch. Meine Erkenntnis: Wir haben’s noch drauf, Menschen relativ gut einschätzen zu können (auch wenn wir das in machen Situationen scheinbar verlernt haben).

Mit dieser Methode fördere ich nicht nur das Einfühlungsvermögen der Teilnehmer:innen in ihre Kollegen, sondern führe auch zur Erkenntnis, wen habe ich denn da überhaupt vor mir sitzen.

Und egal in welches Team man schaut: Man findet immer alle Typen – die Empathischen, die Leistungsorientierten, die Risikofreudigen und so weiter. Eine Gruppe, in der sich alle einig sind, wäre vielleicht mal für zwei Stunden praktisch, aber auf Dauer total langweilig. Bunt ist gut, auch wenn’s manchmal anstrengend wird.

Viele Führungskräfte sprechen mich an und sagen, sie wünschen sich nach einer Coachingwoche ein herausragendes Betriebsklima. Aber eine Ansage wie: „Wir brauchen jetzt mehr Kultur!“ hilft gar nichts. Kultur entsteht langsam – durch gemeinsame Erlebnisse.

  • Positives: Jemand hilft mir spontan aus, fragt nach, wie’s mir geht, oder hört mir ohne Augenrollen zu.
  • Negatives: Streit, Unstimmigkeiten, Grüppchenbildung und ständige Schuldzuweisungen.

Die gute Nachricht: Eine gesunde Unternehmenskultur zu entwickeln, ist kein Hokuspokus. Es braucht bloß Interesse an den Menschen, Achtsamkeit, Kommunikation und das Verständnis, dass es immer mehr als meine Perspektive gibt.

Und wer länger in Trainings war, weiß: Die scheinbar wichtigsten Themen wie Boni oder Gehalt rücken oft in den Hintergrund, wenn das Miteinander funktioniert. Ein authentisches Zusammenarbeiten überwiegt langfristig ein höheres Gehalt.

Deshalb mein Appell: Schau dich mal in deinem (Arbeits-)Umfeld um. Welche Typen gibt es da? Wer ist deine „Anna“, wer ist dein „Leo“? Wie geht ihr miteinander um? Und wenn du merkst, dass irgendwas in Schieflage geraten ist: Fang bei dir selbst an.

  • Was könntest du ändern?
  • Welche Gewohnheit könntet ihr gemeinsam durch ein kleines Ritual ersetzen? (Vielleicht einfach nur gemeinsamer Kaffee am Morgen, ohne Gezeter, ohne Zwang)
  • Wo könntest du jemandem Respekt zollen, den du bisher eher ignoriert hast?

Ganz ehrlich: Unternehmenskultur passiert nicht – sie wird gelebt. Am besten genau jetzt. Glaub mir, es lohnt sich.

Und das Wichtigste: Es macht sogar ein bisschen Spaß. Fast wie ein Familientreffen, nur mit ein bisschen weniger Drama (hoffentlich) 😉

Ich hoffe, ihr hattet heute genauso viel Freude beim Lesen wie ich beim Schreiben. Auch wenn’s „nur“ (Unternehmens-)Kultur ist: Das Thema lässt uns nicht so leicht los, oder? In diesem Sinne, bis zum nächsten Blog-Beitrag.

Hallo zurück im zweiten Teil meines Blogartikels „Der Apfel fällt weit vom Stamm“, ich freue mich, dass du weiter mit dabei bist! Über den erfolgreichen Max und Einblicke in die Familie Schwarz haben wir schon im letzten Beitrag erfahren.  

So geht es weiter:

Max, Bruder, Schwager und Onkel der Familie Schwarz wohnte gleich im Haus nebenan und war trotz seiner 48 Jahre immer auf Achse. Ob Mountainbiking, Paragleiten oder waghalsige Downhill-Fahrten—für Max gab es – ob beruflich oder privat – keine Grenzen, die er nicht ausdehnen konnte und kaum ein Risiko, das er nicht eingehen würde. Seine unerschütterliche Risikobereitschaft hatte ihn nicht nur in extremen Sportarten, sondern auch im Geschäftsleben vorangebracht. Seine Firma war durch seine wagemutigen Entscheidungen in den letzten Jahren sehr erfolgreich geworden, und auch wenn er oft auf Widerstand stieß, dachte Max nicht lange nach – er handelte einfach – koste es was es wolle.

Neben ihm, aufgeregt, mitfiebernd und jeder seiner Worte folgend, saß Lisa. Ihr jugendlicher Enthusiasmus für das Abenteuer und das Neue machte sie zur perfekten Zuhörerin für Onkel Max‘ wilde Erzählungen. Ihre Augen leuchteten vor Aufregung, und jedes Mal, wenn Max von einem seiner kühnen Abenteuer erzählte, strotzte sie vor tiefer Bewunderung.

Lisa liebte diese Geschichten und erkannte sich in vielen Facetten ihres Onkels wieder. Doch obwohl Lisa von Onkel Max‘ Abenteuerlust absolut inspiriert war, spiegelte sich ihre eigene Vorliebe für Abenteuer in einer selektiven Art und Weise wider. Wo Max jede Gelegenheit ergriff, unabhängig von den möglichen Schwierigkeiten oder Unannehmlichkeiten, wählte Lisa ihren nächsten Schritt sorgfältig aus, geleitet von dem, was ihr Freude bereitete. Diese Unterscheidung zwischen dem, was Energie gibt und dem, was sie zutiefst ablehnte, offenbarte eine interessante Facette ihrer Persönlichkeit: Lisa war bereit, sich Herausforderungen zu stellen, solange sie ihre Interessen und Leidenschaften widerspiegelte.

Max steht exemplarisch für jemanden, der seine Ziele mit unbändiger Energie und einem starken Willen verfolgt. Im Gegensatz zu Lisa, die ihre Energie aus spaßigen und vergnüglichen Aktivitäten zieht, ist Max stets bereit, sich auch unangenehmen Aufgaben zu stellen, wenn diese ihn seinen Zielen näherbringen. Er ist nicht nur risikofreudig, sondern auch außergewöhnlich leistungsbereit: Er kommt oft früher und bleibt länger, gibt mehr Gas und arbeitet schneller als andere. Diese Zielstrebigkeit, mit der er seine Ziele verfolgt, zeigt sich auch darin, dass er manchmal buchstäblich mit dem Kopf durch die Wand will.

Max‘ Entschlossenheit bringt ihn oft dazu, Herausforderungen direkt und ohne zu zögern anzugehen, auch wenn dies bedeutet, sich außerhalb seiner Komfortzone zu bewegen. Diese Haltung macht ihn in vielen Bereichen erfolgreich, kann jedoch auch zu Konflikten führen. Seine Bereitschaft, fast jedes Mittel einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen, führt manchmal zu manipulativen Taktiken. Diese können zwar wirksam sein, haben aber schon des öfteren dazu geführt, dass Beziehungen auseinander gingen.

Diese Charakterzüge führten in der Familie gelegentlich zu Spannungen mit Max. Insbesondere Rudolf, Max‘ Bruder, der ebenfalls seine sturen Momente hatte, geriet wiederholt mit ihm aneinander.

Während Max lebhaft weiter von seinen bevorstehenden Abenteuern in Kolumbien schwärmte, schien Leo, der Sohn von Gabi und Rudolf, ein wenig abwesend zu sein. Oft fühlte er sich von seinen extrovertierten Geschwistern überschattet, und seine Gedanken kreisten meist um das Fußballtraining und die Taktiken für das nächste Spiel. Geduldig wartete er auf eine Gelegenheit, ins Gespräch einzusteigen und von seinen sportlichen Triumphen zu erzählen, denn die Anerkennung seiner Leistungen war der wahre Treibstoff seiner Energie.

Wenn es um seine Stärken und Talente ging, blühte er auf. Doch diese Leidenschaft war zugleich seine Verletzlichkeit. Wenn er von Trainer:innen oder Mitspieler:innen kritisiert wurde, nahm er dies persönlich und empfand es als Angriff auf sein Selbst. Für Leo war jedes Feedback, besonders wenn es negativ ausfiel, weniger eine Bewertung seiner sportlichen Leistung als vielmehr eine Beurteilung seiner Person. Diese Empfindlichkeit machte ihn auf dem Feld besonders anfällig, denn während er nach Lob strebte, das er als persönliche Bestätigung sah, waren Ablehnung und Kritik für ihn tiefgreifende Enttäuschungen, die schwer zu bewältigen waren.

Leo`s Bedürfnis ist das Gefühl!

Ein typischer Abend bei Familie Schwarz: voller Lachen, Debatten und die unvermeidliche Dynamik, die entsteht, wenn eine Familie voller starker Persönlichkeiten zusammenkommt. Warum ich dir diese Geschichte heute erzähle? Nun, im nächsten Blog soll es um das Thema Unternehmenskultur gehen. Ich möchte es in einer Weise erläutern, die jeder leicht nachvollziehen kann. Selbst wenn man sich bisher vielleicht nie damit auseinandergesetzt hat.

Die beste Art, die Komplexität der Unternehmenskultur zu erklären und verständlich zu machen, ist der Vergleich mit der Kultur einer Familie. Jede Familie hat ihre eigene Kultur, geprägt durch bestimmte Verhaltensweisen, Rituale und Kommunikationsformen, die von den Eltern oder Erziehungsberechtigten vorgegeben werden. Genauso ist es in Unternehmen: Führungskräfte und Eigentümer gestalten die Kultur, doch jeder Einzelne trägt ebenfalls dazu bei.

Indem ich diese familiären Muster aufzeige, möchte ich verdeutlichen, dass die Unternehmenskultur nicht nur Aufgabe der Führungskräfte ist, sondern jeden von uns betrifft. So wie jede Familie ihre eigenen Regeln und Rituale hat, hat auch jedes Unternehmen seine eigene Kultur, innerhalb derer wir uns bewegen und die wir mitgestalten können. Dies zu erkennen und zu verstehen, ermöglicht es uns, aktiv an einer positiven und lebendigen Unternehmenskultur mitzuwirken.

Viele Menschen betrachten ihren Arbeitsplatz als einen Teil ihres Lebens, mit dem sie sich täglich auseinandersetzen, mal zufrieden, mal weniger zufrieden. Doch was vielen nicht bewusst ist? Wir machen uns viel zu wenig bewusst, wie tief die Unternehmenskultur in unser tägliches Handeln eingreift, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun, oder wie jeder von uns dazu beitragen kann, diese Kultur zu gestalten. Dies zu verstehen, ist für ein angenehmes Arbeitsklima entscheidend.

Interessierst du dich für Unternehmenskultur und möchtest verstehen, wie du sie aktiv in deinem Arbeitsalltag beeinflussen kannst? Im nächsten Blogbeitrag gehen wir dieser und weiteren Fragen nach. 

Du hast eigene Erfahrungen oder Fragen zum Thema, die du gerne teilen möchtest? Dann lass uns auf LinkedIn darüber sprechen. Folge mir, @Andreas Ablinger, um auf dem Laufenden zu bleiben! 🙂 



Unternehmenskultur = Familienkultur?

In einer kleinen Stadt am Fuße der verschneiten Alpen, wo die Straßen im Winter unter einer Decke aus Schnee verborgen liegen, lebt die Familie Schwarz in einem gemütlichen Haus mit einem wilden Garten, der im Sommer in allen Farben blüht.

Während draußen der Schnee leise die Welt in ein weißes Kleid hüllte, versammelte sich Familie Schwarz wie jeden Abend um den alten Eichenholztisch in ihrer warmen Küche. Das Licht der Kerzen verlieh dem Raum Wärme. Während draußen der Schnee leise weiter fiel, ergänzte das Kerzenlicht die gemütliche Atmosphäre, welche im Kreise der Familie Schwarz herrschte. Wenn man sie beschreiben müsste, könnte man sie durchaus als die freundlichen, fleißigen und stets hilfsbereiten Nachbarn von nebenan bezeichnen.

Das gemeinsame Abendessen war seit Jahren ein festes Ritual der Familie, und Vater Rudolf nutzte diese Zeit gerne, um über aktuelle Nachrichten zu diskutieren. Auch heute machte er dabei keine Ausnahme. Sein lebhafter Austausch über politische Ereignisse brachte Leben in die Runde, auch wenn seine Meinungen manchmal mehr Raum einnahmen als das Essen selbst 😉

Rudolfs Art, Gespräche zu lenken und zu beherrschen, war für seine Familie und Kollegen wohlbekannt und brachte aber manchmal auch eine empfindliche Seite seiner Persönlichkeit hervor. Sein Selbstverständnis war eng mit der Akzeptanz seiner Meinungen und Überzeugungen verknüpft. Ein Widerspruch oder eine Abwertung seiner Ansichten traf ihn tief, ging es ihm doch weniger um die sachliche Richtigkeit seiner Argumente als um die Anerkennung seiner Person und seiner persönlichen Überzeugungen. Dieses Bedürfnis von äußerer Zustimmung ließ ihn oft besonders empfänglich für Konflikte werden. Vor allem, wenn er sich missverstanden oder nicht ausreichend gewürdigt fühlte. 

Rudolfs Bedürfnis ist die Überzeugung! 

Eine Person kannte diese Seiten an Rudolf nur zu gut. Hatte aber nach fast 25 Jahren gelernt, ihn mit all seinen Stärken und Schwächen zu lieben – seine Frau Gabi.

Sie nahm immer neben ihm, am Kopfende des Tisches Platz. Einen Ehrenplatz, den ihr Rudolf stets überließ. Denn sie war während des Abendessens immer in Bewegung, reichte jedem liebevoll Nachschlag, eilte zum Ofen, um die köstliche Nachspeise herauszuholen, und sorgte dafür, dass es keinem am Tisch je an irgendetwas fehlte. Das liebte er an ihr. Sie sah immer das große Ganze, war mit ganzem Herzen für ihre Familie da und hielt sie zusammen. Ihre sanften Augen betrachteten das lebhafte Gespräch am Tisch gelassen. Diese Ruhe zeigte sie besonders, wenn sie wusste, dass nun jeder am Tisch zufrieden und gut versorgt war. Jetzt konnte sie sich zurücklehnen. Mit einem zufriedenen Lächeln saß sie da, dachte daran, wie sie sich nach dem Abwasch mit einem guten Buch in ihre gemütliche Leseecke zurückziehen würde. Allein die Vorstellung gab ihr Energie. Denn Gabi fand ihre größte Freude in den stillen Momenten – wenn das Haus zur Ruhe kam und sie endlich Zeit für sich selbst fand. Das Lesen eines guten Buches war ihr heiliger Rückzugsort, eine Flucht in andere Welten, die sie zutiefst schätzte. Alleinsein war für sie also keine Schmach, sondern eine wertvolle Gelegenheit, ihre Gedanken zu ordnen und neue Energie zu tanken. Manchmal streifte sie auch gerne mit dem Familienhund durch die Natur und genoss die langen, einsamen Spaziergänge, die ihr die Ruhe und Klarheit gaben, die sie im Alltag so oft vermisste. Gabi konnte tiefgründig reflektieren, selten antwortete sie vorschnell ; sie maß ihren Worten Gewicht bei und ließ ihre Gedanken sorgfältig reifen, bevor sie sie teilte.

Gabis Bedürfnis ist die Reflexion!

Gegenüber auf der Eckbank saß Anna, die ältere Tochter. Sie beteiligte sich wiederum eifrig am Gespräch und unterstrich ihre Haltung mit Zahlen, Daten und Fakten, wann immer es nötig war. Doch was ihr wirklich am Herzen lag, waren die Projekte, für die sie sich leidenschaftlich einsetzte. Während die Familie lebhaft über die Wahlen in den USA diskutierte, nutzte Anna geschickt die Gelegenheit, das Gespräch auf Themen zu lenken, die ihr besonders wichtig waren. Ihre Augen funkelten vor Begeisterung, wenn sie die Gelegenheit hatte, über ihre eigenen Erfolge und Leistungen zu sprechen.

Sie erinnerte sich an die späten Nächte, die durchwachten Stunden, den Stress, der sie antrieb, aber auch an das tiefe Gefühl der Befriedigung, wenn alles am Ende aufging. Es war dieses Gefühl, etwas gut gemacht zu haben, das ihr Energie gab. Ihren Ehrgeiz schöpfte sie aber nicht primär aus äußerer Anerkennung – wenngleich ihr das auch nicht ganz unwichtig war. Vielmehr ging es ihr aber darum, sich selbst zu beweisen, dass sie Herausforderungen meistert und Termine einhalten konnte.

Annas Bedürfnis ist die Logik!

Die jüngste im Bunde, Lisa, konnte kaum noch gerade stillsitzen vor lauter Kichern. “I like my sooootcase”, ertönte es aus ihrem Handy. Wieder ein neuer TikTok-Trend. Rudolf verdrehte schon die Augen. Eine Parodie mit Barron Trump, die sie offensichtlich mehr fesselte als die populistischen Reden des Präsidentschaftskandidaten. Ihr helles Lachen erfüllte den Raum. Lisas unbeschwerte und lebhafte Art brachte eine erfrischende Fröhlichkeit in die sonst so ernsten Diskussionen am Esstisch.

Lisas Bedürfnis ist der Spaß!

Und dann gab es noch Onkel Max, den Abenteurer der Familie, der gerade überraschend zur Tür herein schneite – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit schneebedecktem Mantel betrat er die Küche, die sich augenblicklich mit seiner energetischen Aura auflud. Seine Erzählungen von fernen Orten und waghalsigen Unternehmungen faszinierten besonders Lisa, die seine Abenteuerlust teilte. Aber dazu später mehr 😉 

Max lebte gleich im Haus nebenan und blieb trotz seiner 48 Jahre immer auf Achse. Ob Mountainbiking, Paragleiten oder waghalsige Downhill-Fahrten—für Max gab es – ob beruflich oder privat – keine Grenzen, die er nicht ausdehnen konnte und kaum ein Risiko, das er nicht eingehen würde. Seine unerschütterliche Risikobereitschaft hatte ihn nicht nur in extremen Sportarten, sondern auch im Geschäftsleben vorangebracht. Seine Firma war durch seine wagemutigen Entscheidungen in den letzten Jahren sehr erfolgreich geworden, und auch wenn er oft auf Widerstand stieß, dachte Max nicht lange nach – er handelte einfach – koste es was es wolle.

Max`s Bedürfnis ist das Tun!

Welches Geheimnis Max so erfolgreich werden ließ, erzähle ich dir im nächsten Blogbeitrag. Dich erwartet auch dein eigenes Erfolgsgeheimnis und noch weitere Einblicke in die Familie Schwarz, die uns exemplarisch Dynamiken im Unternehmen verstehen lassen. Sei weiter mit dabei, ich freue mich auf dich….!



Meine Bedeutung von Motivation und Erfolg

Bist du neu hier? Dann empfehle ich dir, zuerst Leos Geschichte zu lesen, damit du den vollen Kontext verstehst und einen tieferen Einblick zum folgenden Artikel hast.

Hier geht’s zum ersten Teil <<<

Du bist schon mit Leos Erlebnissen vertraut? Perfekt, dann lass uns direkt weitermachen! 😉

Hinter all dem Ehrgeiz und dem sportlichen Erfolg stand für Leo ein tiefes Bedürfnis: Das Bedürfnis nach Bestätigung. Er suchte nach Sicherheit, nach einem Gefühl der Zugehörigkeit und nach dem Wissen, dass er einen festen Platz in der Welt hatte. Dieses Streben nach Anerkennung war mehr als nur ein Wunsch; es war ein grundlegendes Bedürfnis, das tief in seiner Kindheit verwurzelt war. Diese innere Unsicherheit prägte ihn, ohne dass er sich dessen bewusst war.

Die Jahre vergingen, und Leo lernte, seine Erfahrungen als Prägungen zu sehen, die ihn zu dem machten, was er war. Jedes Spiel, jeder Sieg und jede Niederlage trugen zu seinem Selbstverständnis bei. Sicherheit und Bestätigung waren nicht mehr seine Endziele, sondern Treiber seiner Handlungen. Er verwandelte die Unsicherheit und Angst vor Ablehnung in Motivation. Erst sehr spät merkte Leo, dass echte Sicherheit von innen kommen muss. Die Anerkennung anderer war wichtig, aber nicht ausreichend, um die tief verwurzelten Zweifel zu überwinden und seine wahre Motivation zu finden.

Während Leo auf der Tribüne des Fußballplatzes saß und nun seinem Sohn beim Spielen zusah, dachte er über die Ironie seines eigenen Lebens nach. Die Suche nach Bestätigung hat ihn weit gebracht, aber die größte Herausforderung ist ein lebenslanger Prozess: zu lernen, sich selbst zu genügen. Er hatte gelernt, dass Motivation oft ein Spiegelbild unserer tiefsten Ängste und größten Hoffnungen ist. Und während er darüber nachdachte, wie er im Laufe seines Lebens seine eigenen Unsicherheiten in Stärken umgewandelt hatte, war er bereit, diese Erkenntnisse zu teilen, zu erklären, wie jeder von uns seine ganz persönlichen Spiele spielt, auf und abseits des Feldes.

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Erkennst du dich in dieser Geschichte auf die eine oder andere Art und Weise wieder? 

Motivation ist für mich ein vielschichtiges Thema. Wenn ich persönlich über Motivation nachdenke, führt mich das zurück in meine Kindheit. Denn ich bin überzeugt, dass wir Menschen das in unserer Entwicklung spüren – jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine Herkunft, seine Prägungen, seine Wurzeln und seine Erfahrungen. Daraus entstehen unterschiedliche Motive. Darin liegt der Kern der Motivation. Und damit habe ich mich, würde ich sagen, die ersten 25 Jahre meines Lebens auseinandergesetzt, ohne es zu wissen. Das Gefühl, das ich heute für mich benennen kann, umfasst vor allem das Streben nach Sicherheit. Darüber hinaus spiegelt es, ähnlich wie in Leos Geschichte, das tiefere Bedürfnis wider, Bestätigung zu finden, dass ich meinen rechtmäßigen Platz in der Welt habe.

Heute betrachte ich all diese Erfahrungen tatsächlich als ein großes Geschenk. Mir hätte nichts Besseres passieren können, als mein Leben in vollem Bewusstsein zu erleben. Denn ich bin überzeugt, dass wir genau das erhalten, was wir benötigen. Das Leben geschieht nicht einfach so; es entfaltet sich für uns. Das Leben fordert uns ständig heraus, genauer hinzusehen und aus jeder Erfahrung zu lernen und daran zu wachsen.

Wie kannst du also wahre Motivation in dir selbst oder bei anderen finden?

Fangen wir mit den Basics an 😉 

Das Wort „Motivation“ beinhaltet den Wortstamm „Motiv“ – der Grund oder das Ziel, das wir erreichen wollen. Ich sage das nicht um euch mit irgendwelchem Einheitsbrei vollzuquatschen. Denn zu oft reden wir uns gewisse Ziele nur ein, weil sie uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden, um als “gute oder erfolgreiche” Menschen zu gelten. Ich bin überzeugt, dass wir uns zu viele dieser fremdbestimmten Ziele aufladen, was nur zu einer Scheinmotivation führt. Diese Art von Motivation kann nicht lange anhalten, weil sie nicht aus unserem eigenen Antrieb stammt, sondern von außen auf uns einwirkt. Das Resultat ist ein Verlust an Freude und Antrieb. Das wollen wir auf gar keinen Fall.

Die eigene Akzeptanz spielt deshalb eine essenzielle Rolle. Denn was mich in meiner Jugend täglich begleitet hat, war genau das: Fehlende Akzeptanz. Ich habe mich selber nicht so akzeptiert wie ich bin. Es ging immer nur um Bestätigung und diese sucht man fälschlicherweise immer zuerst im “Außen”.

Ein kleines Beispiel: 

Letztens hatte ich ein Coachinggespräch mit einer jungen Frau, die in ihrem Beruf herausragende Leistungen erbringt und von allen Seiten Lob erhält. Dennoch gestand sie mir, dass sie sich ohne diese kontinuierliche Anerkennung zutiefst unsicher fühlt – klassisches Imposter-Syndrom, wie wir es heute nennen würden. 

Daraufhin fragte ich sie: „Ist es nicht offensichtlich, dass du einen guten Job machst?“ Ihre Antwort brachte eine tiefliegende Unsicherheit zum Ausdruck: Sie sieht und hört die Anerkennung, spürt sie aber nicht; sie erhält den Applaus, fühlt sich dem aber nicht würdig. Diese Diskrepanz zwischen äußerer Anerkennung und innerer Wahrnehmung lässt sie in einem Zustand ständiger Selbstzweifel verharren. Bleibt das erwartete Lob aus, obwohl sie wirklich gute Arbeit leistet, verfällt sie in einen Strudel von Selbstzweifeln, geplagt von der Frage, ob ihre Erfolge tatsächlich auf ihr eigenes Können zurückzuführen sind oder nur zufällige Glücksfälle darstellen.

Was bedeutet es für dich, auf Lob von außen angewiesen zu sein? 

Die unschöne Wahrheit für den Monat November: Ständige Abhängigkeit von äußerem Lob ist nicht nur ermüdend, sondern macht es auch schwierig, echte Motivation zu entwickeln. Es ist eigentlich ganz logisch zu erklären. Lob erzeugt das Verlangen nach mehr Lob. Es ist eine Art Abhängigkeit – wirkt gar wie eine Droge. Und dieses dauernde Streben kann für manche richtig gefährlich werden bis zu dem Punkt, an dem die eigene Gesundheit darunter leidet. 

Stelle dir diese Frage einmal selbst: Wann ist man an dem Punkt, an dem man genug Lob bekommen hat? 

Eigentlich nie. Vielleicht braucht es oft bestimmte Schlüsselerlebnisse, um einen Wandel herbeizuführen. Manchmal begegnet man der richtigen Person oder erlebt etwas, das einen fundamental zum Umdenken bewegt. Häufiger sind es leider dramatische Ereignisse, Erlebnisse, die einen tief erschüttern.

Aus welchen Gründen beginnt der Mensch umzudenken? Ich sage es gibt 2 Gründe. Entweder ist der Schmerz groß genug, oder es gibt einen unmittelbaren Gewinn. Es gibt einen entscheidenden Punkt, den man stets im Gedächtnis behalten sollte, wenn es darum geht, seine eigene Motivation zu entdecken und zu bewahren: Wir erhalten nicht immer das, was wir uns wünschen, sondern das, was uns wachsen lässt. Das Leben fordert uns heraus, genauer hinzusehen und aus unseren Erfahrungen zu lernen. Selbst diejenigen, die durch schwere Schicksalsschläge gegangen sind und vielleicht meinen, das sei alles Unsinn, können aus meiner Erfahrung heraus verstehen: Auch wenn solche Ereignisse im Moment verheerend erscheinen und Schmerz, Verlust und Verletzungen mit sich bringen, haben sie mich letztlich doch weitergebracht und geformt.

Wir müssen lernen, aus Fehlern zu lernen und negative Erlebnisse als Teil unseres Wachstums zu sehen. Einen Fehler zu machen, ist per se nichts schlechtes, genauso wenig wie ein negatives Erlebnis. Es ist wichtig, über sich selbst lachen zu können und zu akzeptieren, dass nicht jeder Tag perfekt sein wird. 

Und jetzt kommt der ultimative Clue: Ein gewisses Maß an Selbstakzeptanz ist entscheidend. Diese innere Sicherheit zu finden, unabhängig von externer Bestätigung, ist der Schlüssel zu echter Motivation und Zufriedenheit.

Falls ihr bis hierhin gelesen habt, fragt ihr euch sicherlich:

„Aber Andreas, wie finde ich denn nun eigentlich meine Motivation?“

Spannende Frage, in der Tat. Dafür gibt es wohl unterschiedliche Ansätze. Ich persönlich lebe nach dem Prinzip von “ Anziehungskraft statt Zwang = Sog statt Druck”. Unsere Gesellschaft, einschließlich meiner Generation und besonders die meiner Eltern, ist unter dem Prinzip des Drucks aufgewachsen. Die Nachkriegsgeneration erlebte viel Kraft, weil sie etwas erreichen konnte, aber die Systeme waren so aufgebaut, dass sie auf Druck funktionierten.

Interessant wird es, wenn wir das Prinzip von „Anziehungskraft statt Zwang“ auf die jüngeren Generationen, wie die Gen Z und Alpha, anwenden. Diese Generationen unterscheiden sich fundamental von früheren Generationen, die unter dem Druck aufwachsen mussten, einfach zu arbeiten, weil es notwendig war. Mein Vater zum Beispiel hatte keine andere Wahl, als zu leben, um zu arbeiten. Nach der regulären Arbeit ging er in den Keller, um mit meiner Mutter gemeinsam Heimwerkarbeiten zu machen. Das war für damalige Zeiten das Normalste auf der Welt.

Mein 25-jähriger Sohn ist hier in einer völlig anderen Welt aufgewachsen. Die junge Generation ist informiert, vernetzt und hat früh Zugang zu Ressourcen, die ihnen helfen, ihre Leidenschaften zu entdecken. Sie wissen oft genau, was sie wollen und was nicht. Viele junge Menschen haben damit eine bemerkenswerte Fähigkeit. Sie wissen viel genauer, wo ihre Motive liegen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Karrierepfade nach ihrem eigenen Sog zu gestalten – nicht unbedingt immer durch den Druck, der von außen aufgebaut wird. 

Junge Menschen haben längst begriffen, dass das Leben kein Einbahnstraßen-System ist. Ihnen ist bewusst, dass eine Vielzahl von Wegen und Zielen zur Verfügung steht und dass sie die Freiheit haben, ihre Richtung jederzeit zu ändern, wenn es ihnen sinnvoll erscheint.

Fühlst du deine Anziehungskraft immer noch nicht? Kein Grund zur Panik!

Das Einfachste, was du tun kannst ist, deinen Kalender zu schnappen und einen kleinen Ausflug durch das letztes Jahr zu machen. Schreibe dir auf ein Blatt Papier auf, was du alles erlebt hast – von Meetings, Projekten bis hin zu kleinen Alltagsgeschehnissen. Sortiere diese Erlebnisse dann in eine Hitliste der Höhepunkte und Tiefpunkte. Alles aufzuschreiben und dann in aus dem Bauch heraus in eine Plus- und Minusseite einzutragen, hilft, zu erkennen, was positiv war und was negativ. Im nächsten Schritt kategorisierst du dann die positiven Ereignisse: Was war gut, was war sehr gut, was will ich unbedingt wieder erleben? Bei den negativen Ereignissen dasselbe. Was war schlecht, was wirklich schlecht, und was will ich nie wieder erleben? Der erste Schritt zur wahren Motivation ist, nie wieder in die gleiche schlechte Situation zu geraten. Und bei den positiven Aspekten solltest du schauen, wie du diese oft genug wieder erleben kannst.

Wir sollten viel öfter unsere Herzensverbindung nutzen. Das Herz ist nicht nur unser Gefühlszentrum, sondern auch der stärkste Muskel. Es schlägt etwa 100.000 Mal am Tag und pumpt rund 7.200 Liter Blut durch unseren Körper. Wenn unser Verstand gestresst ist, schlägt auch unser Herz schneller. Es reagiert auf alles, was in uns gerade vorgeht, ob gut oder schlecht – gestresst oder ausgeglichen. Diese Verbindung zwischen Herz und Verstand ist entscheidend und gibt uns viel Aufschluss darüber, was uns wirklich motiviert.

Rückblickend auf meine Kindheit kann ich sagen, dass mir mein Herz oft den Weg gewiesen hat, nicht mein Verstand. Der Verstand wusste immer, was fehlte, aber das Herz spürte, was möglich war. Damals hat der Kopf oft gewonnen, aber heute erkenne ich, wie wichtig es ist, das Herz zu integrieren. Wir alle haben diese zwei Stimmen im Kopf: Eine, die immer weiß, dass etwas großartig sein könnte, und eine andere, die aus vielen Erfahrungen spricht und sagt, dass es keinen Sinn macht. Diese negative Stimme nenne ich meinen ‚Brainfucker‘ – und er ist manchmal echt laut. Am Ende des Tages liegt es aber an mir zu entscheiden, wann er eine Pause machen muss.

Also, ob du nun weiße Schuhbänder wählst oder dich für etwas Farbenfroheres entscheidest, letztendlich ist es nicht die Farbe der Schnürsenkel, die zählt. Was wirklich zählt, bist du und deine Entschlossenheit, selbstbewusst deinen eigenen Weg zu finden und diesen Weg voll und ganz anzunehmen.

 

Leos Bedeutung von Motivation und Erfolg

Leo stand am Rand des Fußballfeldes, die kalte Abendluft peitschte ihm ins Gesicht, als er sich die Kapuze über den Kopf zog und seine Augen fest aufs Feld richtete. Die Flutlichter warfen lange Schatten und verliehen dem Abend eine dramatische Kulisse, die gut zu seiner inneren Gefühlswelt passte. Er war nicht hier, um zu spielen. Zumindest nicht nur. Sein Spiel war subtiler, verborgener, eine stille Herausforderung an das Leben selbst.

Es war ein Abend wie dieser, der Leo unweigerlich in seine Kindheit zurückversetzte. Da wo sein Weg zur eigenen Motivation begann. Der Geruch von frisch geschnittenem Gras, das Knirschen seiner Fußballschuhe auf dem Spielfeld – all das führte ihn zurück zu den Tagen, an denen er, ein ruhiger, introvertierter Junge, seine Rolle in der Welt suchte. Eine Rolle, von der er damals glaubte, sie nicht verdient zu haben. 

Warum, fragst du dich? Naja, er war das jüngste von fünf Kindern. Ein Nachzügler, wie man auf gut österreichisch sagt. „Einfach nicht geplant“, wie er manchmal anderen erzählte. Ein Gedanke, der tief in ihm verankert war und ihn, ob unterbewusst oder auch nicht, sein gesamtes Leben begleiten würde.

Leos Eltern waren in jeder Hinsicht liebevoll und fürsorglich. Ihm fehlte es an nichts, und auch heute betrachtet er seine Kindheit als behütet. Doch in seiner damaligen Welt, geprägt von den Unsicherheiten eines Kindes, das um seinen Platz rang, schien diese Geborgenheit manchmal in den Hintergrund zu treten. Sport, in seinem Fall Fußball, bot ihm aber ein Ventil, einen Weg sich in seiner Welt zu beweisen.

Fußball war für Leo mehr als nur ein Spiel. Es war eine Bühne, auf der er sich selbst herausfordern und beweisen konnte. Jedes Mal, wenn er den Fußballplatz betrat, verwandelte sich der schüchterne Junge in einen entschlossenen Spieler, der jede Bewegung, jeden Pass, jeden Schuss mit einer Präzision und einem Ehrgeiz ausführte. In diesen Momenten wusste er genau, dass dies sein Platz war. 

Tief in seinem Herzen suchte Leo nicht nur nach dem Sieg im Spiel, sondern nach Bestätigung, nach einem Zeichen, dass er seinen Platz in dieser Welt verdient hatte. Er war zugegebenermaßen nicht der beste Spieler. Unter den sechs, sieben Kollegen, mit denen er damals gut befreundet war zu Teenagerzeiten, war er seiner Meinung nach nicht der beste. “Am wenigsten Talent und der schlechteste Fußballer”, dachte er. Aber was ihn immer ausgezeichnet hat, war dieser Wille, gut zu sein. Wenn er heute so zurückdenkt, hat er im Verhältnis wahrscheinlich schon ein bisschen Talent gehabt. Was ihn aber von den anderen unterschieden hat, war die Portion Willen und die Motivation es richtig gut zu machen. Und so wurde aus dem durchschnittlichen Fußballer Leo, ein sehr guter Fußballspieler. 

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Was verrät Leos Engagement auf dem Fußballfeld über seinen beruflichen Erfolg? Und welche tieferen Bedürfnisse treiben ihn wirklich an? Finde es heraus und lerne, was du für deine eigene Lebensreise daraus ziehen kannst – natürlich im nächsten Blogbeitrag! 😉 

Hier geht’s zum zweiten Teil <<<

 

Nicht noch so ein Blog!

Ja, ich weiß, das Internet ist bereits übervoll mit Menschen, die ihre Geschichten erzählen und uns das Blaue vom Himmel versprechen zu Themen, die unsere innersten Bedürfnisse triggern. Wie kann ich mein Leben “besser” leben, erfolgreicher sein, reicher werden, was macht brillante Leader:innen aus? Was du gleich lesen wirst, enthält manchmal die nackte und ungeschönte Wahrheit – eine Wahrheit, die vielleicht wehtut und alles andere als glamourös ist, wie es vielleicht in manchen Ratgebern dargestellt wird. Sich selbst ab und zu mal einen Spiegel vorzuhalten, hat aber noch niemandem geschadet, oder? Also. Dieser Blog wird anders sein. Darauf kannst du dich verlassen! 😉

Ich bin eher der Typ, der sich mit den echten, greifbaren Erfahrungen beschäftigt – denjenigen, die uns alle (be)treffen. Wenn du bereit bist dich darauf einzulassen, bekommst du die nackte Wahrheit garniert mit Learnings, die lang(e)weilen werden – und ja, das ist ein Wortspiel. Es bedeutet, dass du hier langfristige Einsichten finden wirst, die mehr als nur kurzfristige Input-Flammen sind. Klingt gut? Dann bleib jetzt dran und lies weiter.

In Workshops beginne ich gerne damit, zu erklären, warum ich überhaupt hier vor den Teilnehmenden stehe. Lass uns das hier einfach mal genauso handhaben. Es ist nämlich keineswegs selbstverständlich, dass ich in die Rolle eines Referenten, Trainers oder Coaches geschlüpft bin. Wie bin ich also hierher gekommen, und was verbindet dich und mich?

Alles begann mit einem drängenden Wunsch nach Freiheit und Abenteuer. In sehr jungen Jahren – ich war Anfang 20 – zog es mich nach Australien. Zu dieser Zeit waren alle meine Freunde irgendwo auf der Welt unterwegs. Ich entschied, dass ich das auch erleben wollte. Mein Onkel, der nach dem Krieg ausgewandert war und nur einmal zurückgekehrt ist, hatte als junger Vater mit einer jungen Familie und wenigen Arbeitsperspektiven damals auch den mutigen Schritt gewagt, dort ein neues Leben zu beginnen. Seine Geschichten, die schwierige Beziehung mit seinem Vater, die ihn bis heute prägten und wie er ohne ein Wort Englisch mit seiner jungen Familie den Mut fand, alles Bekannte hinter sich zu lassen, faszinierten mich. Es schien mir also naheliegend, wie er auch den weitesten Weg zu nehmen. Und so brach ich auf eine Reise nach Australien auf.

Dort blieb ich knapp ein Jahr und kam nur zurück mit der Intention, meine Zelte in Österreich endgültig abzubrechen. Ich begann in der Burg Hasegg zu arbeiten, anfangs nur als Übergangslösung – ein Ort, der bis heute mein Ankerpunkt geblieben ist. Es war gedacht als Sommerjob – etwas Geld verdienen, mich vorzubereiten, um dann in den Flieger ohne Rückflugdatum nach Australien zu steigen. Doch genau in dieser Zeit traf ich jemanden.

Und dann kam alles anders. Mein Leben hat einen ganz anderen Lauf genommen. Ich blicke aber zurück ohne jegliche Wehmut. Es ist völlig sinnlos zu sagen, das Leben wäre noch cooler gewesen, wenn ich in Australien geblieben wäre. Es ist genauso geworden wie es sein soll.

Ich wuchs in die Arbeit in der Burg in Hall hinein. Es ist immer mehr geworden, immer interessanter. Und so bin ich relativ schnell in eine Führungsposition geschlüpft. Nun, nach Jahren des stetigen Wachstums in der Burg in Hall, wo aus einem kleinen Tourismusbereich ein großer Komplex von 1500 Quadratmetern wurde, begann ich mich zu fragen, ob dieser Pfad wirklich das war, was ich mein Leben lang machen wollte. Es war eine spannende Reise, aber irgendwo tief in mir spürte ich den Drang nach mehr, nach einer Veränderung, die über all das hinausging. Die Frage nach meiner wahren Leidenschaft, meiner inneren Flamme, hat mich seit ihrem ersten Auftauchen damals nicht mehr losgelassen.

Auf meiner Reise durch die Welt des Veranstaltungsmanagements in der Burg und mit meiner Eventagentur stolperte ich über eine Wahrheit, die mich einen kleinen Schritt näher zur Antwort meiner Fragen brachte. Nach einem tiefen Moment der Selbstbeobachtung erkannte ich: Meine größte Befriedigung lag nicht in dem donnernden Applaus oder den ausverkauften Veranstaltungen, sondern in den leisen Momenten, wenn die Lichter erloschen und das Publikum mit einem Meer an Erinnerungen und Eindrücken nach Hause ging. Es waren die subtilen, beinahe unsichtbaren Augenblicke, in denen ich die wahren Früchte meiner Arbeit sah – die Erleichterung, dass alles gut gegangen war, und die glänzenden Augen der Menschen, die mehr sagten als jedes Wort. 

Die Entdeckung, dass die strahlenden Gesichter des Publikums mir eine Befriedigung verschafften, verdeutlichte mir, dass mein größter Antrieb darin lag, einen bedeutsamen Beitrag zu leisten. In diesen wenigen Stunden gelang es mir, die Menschen aus ihrem Alltag zu entführen und ihnen Momente der Leichtigkeit, Freiheit und Unterhaltung zu bieten. Im besten Fall mit wertvollem Inhalt. Dieses Bewusstsein bestätigte mir, dass genau das der wahre Energiebringer für mich war.

Doch das allein genügte mir nicht. In meinem Inneren spürte ich eine Unsicherheit. Eine innere Unruhe, die ich nicht ganz einordnen konnte. War das wirklich schon die volle Antwort auf meine Suche nach dem, für das ich brenne? Lag es daran, dass ich selbst nie den Sprung auf die Bühne geschafft hatte? 

Getrieben von tausenden Fragezeichen ohne Antworten auf meine Fragen, suchte ich weiter nach dem Kern meiner Leidenschaft. Bis ich mich irgendwann an meine Mutter wandte. Ich fragte sie, wie ich als Kind war und was mich damals besonders machte. „Du warst kein besonders auffälliges Kind, eher unsicher und schüchtern.“ Im ersten Moment enttäuschte mich ihre Antwort. 

Doch dann erinnerte sie sich an ein prägendes Detail, das mir selbst längst entfallen war. Unser gemeinsames Abendritual, zusammen „Zeit Im Bild“ zu schauen. Und plötzlich wurde es mir klar. Sie erzählte mir, wie ich regelmäßig vor den Bildschirm trat, den Ton ausschaltete und fasziniert versuchte, die Worte der Sprecher von ihren Lippen abzulesen, während ich ihre Körpersprache aufmerksam beobachtete. Als Kind  war das damals ein unterhaltsames “Spiel”.

Aus heutiger Sicht betrachtet war dieser Moment aber ein Wendepunkt für mich und brachte eine  Erkenntnis. Schon als Kind war es mein  Interesse, zu verstehen, wie Menschen kommunizieren und welche Wirkung sie erzielen. Dieser frühe Hang zur Beobachtung und Interpretation menschlicher Ausdrucksformen war der Schlüssel, der mir immer wieder den Weg gewiesen hatte.

So wurde die einfache Handlung eines Kindes, das versuchte, die Nachrichten ohne Ton zu verstehen, zum Fundament meiner beruflichen Philosophie und Praxis. Es lehrte mich, zuzuhören und zu beobachten – Fähigkeiten, die entscheidend sind, um Räume zu schaffen, in denen sich echte menschliche Erfahrungen entfalten können.

Und von da an beschloss ich: Ich will mehr darüber wissen.

Ich wurde auf einen Körpersprache-Experten in der Schweiz aufmerksam. Bei einem Telefonat sagte er mir dann ganz nonchalant, ich kann in die Schweiz kommen, aber das braucht zwei Dinge. Es kostet Geld und es kostet Zeit. Zwei Dinge, die ich zur damaligen Zeit nicht aufwenden konnte und wollte. Sein Rat am Ende unseres Gesprächs war aber entscheidend, und dafür bin ich ihm unglaublich dankbar: „Beginnen Sie mit den Grundlagen, Herr Ablinger. Körpersprache ist wichtig, aber Kommunikation ist entscheidend. Bauen Sie darauf Ihr Wissen auf.“ Diesen Rat befolgte ich und begann in Wien eine umfassende Kommunikationsausbildung. Für mich aber immer noch nur der Tropfen auf dem heißen Stein.

Nach Abschluss meiner ersten Ausbildung kontaktierte mich meine Referentin, Karin, die genau wusste, wonach ich suchte. Sie rief mich an: „Andreas, in Wien startet bald eine Ausbildung in Verhaltensanalytik und Profiling, die könnte für dich interessant sein.“ Ich meldete mich also für den Lehrgang an.

Als ich am ersten Tag nach Wien kam, sah mich die Kursleiterin verwundert an. „Sie sind jetzt aber nicht der, den ich erwartet habe“, stellte sie fest. Scheinbar gab es eine Verwechslung zweier Bewerber:innen und ich war eigentlich gar nicht der, für den man mich gehalten hatte. „Ja, jetzt bin ich schon da“, antwortete ich Schulter zuckend, entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen. 

Diese zufällige Fügung des Schicksals führte dazu, dass ich zwei Jahre in dieser stark von der Kriminaltechnik geprägten Ausbildung verbrachte und feststellte, dass dies genau mein  Thema war.

Ich saß inmitten von  Menschen, die sich mit  analytischen Methoden auseinandersetzen. Zwei Jahre intensiver Ausbildung eröffneten mir eine völlig neue Perspektive auf menschliches Verhalten. Ich lernte, dass unsere Gesellschaft dazu neigt, negative Verhaltensweisen intensiver zu analysieren und zu bewerten als positive. Beunruhigend als auch faszinierend.

Diese Erkenntnisse, gewonnen auf Zugfahrten von Wien zurück, haben mich tief berührt. Könnte mein Sitznachbar, den ich kaum beachte, vielleicht ein Geheimnis tragen, das sein wahres Wesen verbirgt? Ist es nicht so, dass in jedem von uns, egal unter welchen Umständen, eine grundlegende Güte existiert? Wer von uns steht schon morgens auf mit dem Vorsatz, sich selbst den Tag so richtig  zu ruinieren? Selbst ein Verbrecher steht nicht mit dem  Bedürfnis auf  Böses zu tun.

Über die Jahre hat sich meine berufliche Laufbahn entwickelt und vertieft. Von einem Thema zum nächsten bin ich gewandert, wobei zwei Bereiche besonders prägend waren und mich auch heute noch intensiv beschäftigen – Kommunikation und Körpersprache. Nachdem ich zahlreiche Ausbildungen und Kurse absolviert hatte, kam schließlich die erste Anfrage, die alles veränderte. Es war dieser Moment, der nicht nur meine Fähigkeiten, sondern auch mein Verständnis von meiner beruflichen Richtung auf die Probe stellte und mich schließlich in die Selbstständigkeit führte. Diese Anfrage war der Funke, der das Feuer meiner Leidenschaft für das Coaching und die Beratung entzündete und mich dazu brachte, meinen eigenen Weg in dieser Branche zu gehen.

Meine Leidenschaft für das, was ich tue, zieht scheinbar die richtigen Chancen an. Während ich weiterhin einige Stunden in meiner früheren Tätigkeit verbringe, fasziniert mich die Dynamik meiner  neuen Aufgaben zunehmend. Jeder Tag, an dem ich in einen neuen Auftrag eintauche, bringt eine intensive Freude und Begeisterung mit sich.

Dieses Engagement hat mich schließlich zu einer wertvollen Erkenntnis geführt: Ich stehe jetzt, in gewisser Weise, auf der Bühne. Was ich einst ablehnte, hat sich auf ironische Weise erfüllt. Ich arbeite nicht nur mit Menschen, sondern auch vor ihnen, und ziehe sie in den Bann meiner Workshops. In dieser Rolle entfalte ich mein wahres Potenzial, schaffe Verbindungen und entzünde die Begeisterung der Teilnehmer, was mir tiefes berufliches Erfüllungsgefühl schenkt.

Eine Teilnehmerin erwähnte einmal, wie sehr sie es schätze, dass ich so viel von mir gebe. Dieses Feedback brachte mich dazu, die Art und Weise, wie ich mit Menschen arbeite, genauer zu betrachten. Ich begann zu erkunden, unter welchen Umständen ich am meisten gebe und erkannte, dass echte Verbindungen am besten in Workshops entstehen, wenn die Teilnehmer freiwillig dabei sind und sich eine positive Beziehung entwickelt.

Immer, wirklich immer, habe ich es geschafft, eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen. Irgendwann habe ich mich gefragt: Wo liegt der Schlüssel dazu? Wann funktioniert es wirklich, dass ich nicht nur ernst genommen werde, sondern dass eine positive, authentische Energie entsteht? Die Antwort war simpel und doch tiefgreifend: Es geschah immer dann, wenn ich bereit war, aus meinem eigenen Leben zu erzählen.

Im Leben jedes Menschen gibt es Wendepunkte. Momente, in denen alles, was danach kommt, unwiderruflich verändert wird. Für mich war ein solcher Moment die Erkenntnis, dass meine tiefsten Einsichten und das größte Wachstum aus meinen persönlichen Niederlagen stammen.

Und die Verbindung zu Menschen gelang mir jedes Mal durch die Offenheit über mein eigenes Scheitern zu sprechen. Das Scheitern, das auch mich immer wieder in die Fallen des Lebens tappen ließ.

Ich bin regelmäßig in meinen inneren und äußeren Konflikten gefangen, gehe aber vielleicht anders damit um. Meine Misserfolge, meine persönlichen Kämpfe, die ich in meinem Leben erlebt habe, waren immer das, was mich voran brachte. Am Ende bin ich an diesen Herausforderungen am meisten gewachsen, weil ich bereit war, hinzuschauen und mich zu fragen: Was ist die Botschaft dahinter? Was soll ich jetzt lernen?

Es ist eine Reise des ständigen Scheiterns, mit dem Wunsch, immer zu gewinnen. Aber der Weg zum Sieg führt über viele, viele Niederlagen. Und so kam ich zu einer  wichtigen Erfahrung: Die beste Bindung entsteht immer dann, wenn ich bereit bin,  alles von mir selbst zu geben.

Vielleicht ist es auch genau diese Erkenntnis, die mich dazu bewegt hat, diesen Blog zu starten. Ein Ort, an dem ich Geschichten teilen kann – Erzählungen, die natürlich absolut nicht aus meinem Leben sind 😉 Ein sarkastischer Untertitel dieses Blogs, der die Lesenden schmunzeln lässt und gleichzeitig einlädt, die tieferen Wahrheiten zu erkunden, die wir alle in unseren eigenen Geschichten finden können. Denn sind wir mal ehrlich: Die besten Geschichten sind doch die, die so unglaublich sind, dass sie nur wahr sein können, oder?